13. Kleines Segelflugzeug-Oldtimertreffen in Perleberg

Das 13. Kleine Segelflugzeug-Oldtimertreffen fand im August 2009 auf dem Flugplatz Perleberg statt.

Die Sensation: 101 Kilometer auf Hol's der Teufel

Ein Schuss aus einer kleinen Kanone und keine Glocke wie bei der großen Vintage Glider Rally des VGC läutete den Beginn des 13. Kleinen Segelflugzeug-Oldtimertreffens am letzten AugustWochenende in Perleberg ein. Die Kanone entstammt dem Fundus des rührigen Langhennersdorfers Gerhard Maleschka, der nicht nur eine Foka 4 sein eigen nennt, sondern gegenwärtig auch zwei Hütter 17 neu entstehen lässt und darüber hinaus eine Lom 58/I Libelle-Standard restauriert. Gerhard baute gemeinsam mit Jiri Lenik aus Rana auch den bereits weithin bekannten und inzwischen von fast 400 Piloten gern geflogenen Hol`s der Teufel, auf dem sich am Samstag der Freiberger Ulf Kern einen langgehegten Traum erfüllte. Dem Barfuß-Flieger, keiner kennt ihn anders, gelang bereits im Vorjahr in Jezow (Polen) auf dem Teufel ein Fünf-Stundenflug, den der Segel- und Drachenflieger unbedingt um einen 50-km-Streckenflug ergänzen wollte. Dieses Vorhaben gelang ihm tatsächlich am 29. August, als er sich um 14.27 Uhr bei starkem Wind nach Autoschleppstart mit dem Teufel, der es gerademal auf ein Gleiten von 13 bringt, in nordöstlicher Richtung auf die Strecke begab. Fast zwei Stunden später traf Ulfs Landemeldung aus Penzlin südwestlich von Neubrandenburg ein – nach 101 Kilometern!

Für die anderen Teilnehmer des Treffens waren außer für den Tschechen Petr Hanacek mit seiner SF-27A keine Streckenflüge angesagt. Sie flogen zumeist auf ihren eigenen oder Flugzeugen ihrer Oldtimerfreunde und genossen den Anblick der schönen historischen Segelflugzeuge beim gemeinsamen Kreisen im Aufwind. Allerdings brachten gelegentliche Schauer die Thermik zwischenzeitlich zum Erliegen und alle wieder auf den Boden – zum Vorteil der zahlreichen Besucher. Nostalgie pur lebte der Göpfersdorfer Uwe Berndt vor. Der ehemalige Altglietzener traf nicht nur wie zu DDR-Zeiten in einem alten „Knochensack“ ein, wie man die erste, auch von GST-Sportfliegern genutzte Flieger-Spezialbekleidung der NVA-Piloten nannte, sondern hatte auch sein 150-cm³-MZMotorrad von damals mitgebracht. Dafür gab es einen guten Anlass, denn Uwe hatte zum Oldtimertreffen alle einstigen Gefährten des 1979 im Zuge der Konzentration und Kostenreduzierung der Segelflugausbildung in der DDR gesperrten Flugplatzes Altglietzen nach Perleberg eingeladen. Abgesehen von jenen, die der Himmel bereits zu sich gerufen hatte, kamen alle, die es irgendwie ermöglich konnten. Insgesamt 44 ehemalige Altglietzener Flieger, darunter auch einige, die noch heute aktiv sind, fanden sich ein, erinnerten sich beim Mitflug im Cabrio-Bergfalken, in der Rhönlerche oder in der Strausberger K 7 ihrer eigenen Segelflugzeit und klönten schließlich bis in den nächsten Morgen hinein.

Drei Ehrungen hatte das fleißige Perleberger Organisationsteam um Florian Thiede vorbereitet: für die weiteste Anreise, für das älteste sowie schönste Segelflugzeug, das von allen anwesenden Frauen zu küren war, die bekanntlich für Formen und Farben besonders empfänglich sind.

Bei der weitesten Anreise gab es eine Überraschung, denn nicht unsere tschechischen Sportfreunde wurden aufgerufen, sondern der Ulmer Friedrich „Fritz“ Hörsch. Er hatte das Highlight des Treffens mitgebracht, die Hütter H 30 GFK. Der Urvogel aller Glasflügel-Flugzeuge war von Wolfgang Hütter konstruiert und von Eugen und Ursula Hänle bis 1962 gebaut worden. Der Autor kam in den Genuss, damit fliegen zu dürfen, hatte zunächst aber etwas Fracksausen, denn dieser kleine Vogel wiegt ganze 125 kg. Bei diesem geringen Gewicht befürchtet man als Pilot, bei böigem Wetter wie ein welkes Blatt in der Luft umhergeschleudert zu werden. Doch die H 30 GFK, das älteste noch flugtüchtige Kunststoff-Segelflugzeug, erwies sich als sehr folgsam mit überraschend angenehmen Flugeigenschaften – wie eine Hütter eben.

Die Ehrung für das älteste Flugzeug ging an Ove Hillersborg von der DANSK, der dänischen Segelflug-Oldtimer-Vereinigung. Oves englische EoN Olympia Mk. II aus dem Jahre 1948 beruht auf der DFS Olympia von Hans Jacobs, die für die Olympischen Spiele 1940 als Einheitssegelflugzeug ausgewählt worden war. Die Spiele fielen jedoch dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer, aber das Muster wurde dennoch in einigen Ländern in Serie gebaut. Die original silberlackierte OY-XEF ist eine von drei Olympias, die seinerzeit von der dänischen Luftwaffe erworben und vom Bodenpersonal in der Freizeit geflogen wurden. Überführt wurden die drei Flugzeuge damals per F-Schlepp via Holland nach Dänemark, doch endete der erste Start der in Perleberg vorgestellten Maschine damals mit einem Bruch, weil kein Pilot im Cockpit saß!
Wie das geschehen konnte? Es klingt verrückt, aber als der Schlepp-Pilot den Propeller seines Flugzeuges anriss, setzte es sich in Bewegung. Dies bemerkte der Pilot der Olympia, der schnurstracks aus dem Cockpit sprang, um helfen zu können. Aber zu spät, das Seil straffte sich, der Schleppzug setzte sich in Bewegung und stieg auf etwa 20 m Höhe – und da war die „Fahrt“ zu Ende. Beide Flugzeuge krachten auf den Boden und wurden schwer beschädigt. Das ist die Geschichte des ersten und wohl einzigen „Alleinfluges“ einer Olympia.

Die Entscheidung für das schönste Segelflugzeug fiel, obwohl die Konkurrenz groß war, zugunsten der Zlin 24 Krajanek, dem Landsmännchen aus Tschechien. Die stark an das Grunau Baby angelehnte, aber leistungsstärkere Konstruktion aus dem Jahre 1946 wurde damals in 300 Exemplaren gebaut, von denen vermutlich nur noch eines fliegt. Der in Perleberg vorgestellte, erstmals am 26. Juli 2006 geflogene Krajanek ist jedoch ein Neubau von Jiri Lenik aus Rana, der damit nach einem SG 38 und dem gemeinsam mit Gerhard Maleschka gebauten Hol’s der Teufel sein drittes Nachbauprojekt erfolgreich zum Fliegen gebracht – Hut ab vor dieser Leistung!

Als recht schwierig erwies sich die Wahl des Veranstaltungsortes für das Oldtimer-Treffen im nächsten Jahr. Gleich drei Vereine hatten sich beworben, doch entschieden sich die Piloten mit übergroßer Mehrheit für Nardt bei Hoyerswerda. Besonders gespannt sind sie auf den Hügel, den die Nardter für Gummiseilstarts aufschütten wollen, und auf die einheimische Freiwillige Feuerwehr, die sich bereiterklärt hat, als Gummihunde die Segelflugzeuge in den Himmel zu katapultieren.

Text: Frank-Dieter Lemke

Anhang

Den vollständige Beitrag mit den Bildern aus Perleberg gibt es als Anhang.